(Nicht) Nur wegen Bier hier – Konzertbericht 3Plusss & Sorgenkind in Berlin

(Nicht) Nur wegen Bier hier

27.04.2014 – „Das kann ja heiter werden“ – mein erster Gedanke des Abends nachdem ich nun bereits zum zweiten Mal in der Tram sitze, einmal ohne, ein zweites Mal mit der Eintrittskarte zum „Nur-Wegen-Bier-Hier“-Tourabschluss von 3Plusss und Sorgenkind im Berliner Bi Nuu.

Das erste Bier war, ganz im Sinne des Tour-Mottos bereits auf der Hinfahrt getilgt. Endlich am Club angekommen, traf ich mich mit zwei Freunden, die freundschaftlich genug waren um vor der Tür auf mich zu warten. Endlich vollständig gingen wir rein, was einfach war, da es keine Warteschlange am Eingang gab – Nachvollziehbar, es war bereits nach 20:00 Uhr und die erste Vorgruppe spielte bereits ihr Set. Nachdem ein überaus freundlicher, fast schon liebevoller Türsteher (ironischer Unterton) unsere Ausweise kontrollierte, durften wir endlich die ersten Bässe des Abends vernehmen.

Zugezogen Maskulin spielten gerade ihren letzten Track. Auch wenn ich die beiden bisher nur vom Namen her kannte so überzeugten sie mich dennoch mit unglaublich offensiver Bühnenpräsenz. Dem Publikum schien es noch zu früh für einen Clubabriss zu sein. Schade für die Opener, aber zumindest wusste jetzt jeder, in welche Richtung der Abend geht.

So, Pause – Erst mal Bier holen. Deswegen sind wir doch hier, oder? Richtig! Gerade rechtzeitig zu Karate Andi, dem zweiten Act des Abends, wandte ich mich von der Bar ab und ging zurück in die Menge. Das Album, welches sich ebenso wie die EP vom guten Mortis gleich zweimal in meiner Sammlung befindet, war mir gut bekannt und so feierte ich lautstark jeden der drei Tracks, die Andi zusammen mit Backup und Hook-Spezialist Gustav zum Besten gab. Leider blieb es bei den drei Songs, was für meinen Geschmack viel zu wenig war. Aber wir waren ja alle nur wegen Bier hier. Manchmal kam es mir vor, als wäre ich der einzige, der das Thema auch ernst nahm, was mir durch den geringen Andrang an der Bar aber eine schnelle Nachschubmöglichkeit bot. Wie leider schon viel zu oft und nicht nur am heutigen Abend beobachtet, gab die Crowd nur einen Teil des ihnen von den Künstlern gegebenen Einsatzes zurück, was mich nur noch mehr anspornte, Applaus nicht nur zu geben sondern zu grölen.

Für eine würdige und auf den Abend rückblickend prägende Fortsetzung sorgte „der Plot“, der mit Live-Instrumenten und gottverdammtnochmal alles zerstörenden Songs daher kam. Der Plot und die gesamte Menge machten

'Party als ob wir was zu feiern hätten'



Und so sollte sich jeder Gedanken machen, der nicht mitsprang und die Hooks mitbrüllte. Ich merkte den Verfall meines Endzwanziger-Stahlkörpers und so musste im Anschluß an den, meiner Meinung nach eindrucksvollsten Moment des Abends erst einmal ein neues Bier her.

Als letzter Voract trat Mortis auf. Offen für alle Menschen im Raum begann er den ersten Song und sorgte für eine stetige Kommunikation zwischen ihm und der Crowd, die sich ihm sofort verbunden fühlte. Hände gingen nach oben und nach kurzer Aufwärmphase klappte es auch mit dem Mitsingen der Hooks. Wenn gleich Mortis alles gab um der Menge einzuheizen so spürte man doch, dass die Komplexität seiner Texte eher zum Zuhören als zum Mitmachen einlud, was aber, meiner Meinung nach, für seine Texte spricht. Verstärkung gab es dann durch Simdal und Wanja Janeva, die nahezu jedem bekannt sein sollten. Als „Hashtag Proberaum“ begeisterten sie bereits Berlins Straßen und Clubs. Die beiden schaffen es in der Regel eine ganz besondere warme Stimmung aufkommen zu lassen. Auch heute versprühten beide eine unheimliche Energie. Ich weiß nicht ob es an den Bieren oder meiner eh kritischen Haltung gegenüber so manchem Publikum lag aber es wirkte nicht, als gebe sich jeder der Zuhörer hundertprozentig dem Gefühl hin.

Applaus gab es dennoch zu genüge und nach der Organisation von Biernachschub sprangen unter tosendem Beifall 3Plusss und Sorgenkind auf die Bühne, die sofort loslegten und keine Zeit mit langen Ansagen verschwendeten. Man merkte, dass die Masse genau darauf gewartet hatte. Sofort kam Bewegung in die Menge als 3Plusss mit „3Käsehoch“ einen schwungvollen Auftakt hinlegte. Mit viel Bühnenpräsenz performten beide abwechselnd ihre teils aktuellen, von Seiten Sorgenkind sogar brandneue Songs und feierten sich selbst und die Crowd, letztere sogar soweit, dass sie sich zwei Bademantelträger aus der ersten Reihe auf die Bühne holten. Aber auch ein Rapper kann Fan sein, wie Sorgenkind mit seinem Lied an die Barfrau zeigte. 3Plusss bewies hingegen mit einem ganz besonderen Featuregast guten Geschmack. Als der Beat zu „Sicher“ anlief, hoffte ich es insgeheim und wider Erwarten wurde ich erhört – der einmalige und leibhaftige Chefket betrat die Bühne.

Herzen echter Musikliebhaber schlugen in diesem Augenblick höher. Als 3Plusss und Sorgenkind das letzte Lied ankündigten, wirkte es fast etwas abrupt und ihre Worte zerstörten meine Vorstellung, der Abend würde noch ewig gehen. So rief jeder in der Crowd noch einmal mit voller Inbrunst „Boah ey!“ bevor der Beat verklang und kollektiver Beifall den in etwa drei stündigen musikalischen Teil des Abends beendete.

3Plusss ft. Sorgenkind - Boah Ey! (Video)

Aus meiner Sicht überzeugte Sorgenkind schon allein durch seinen Gesang und wirkte über die gesamte Spielzeit etwas souveräner und deutlicher in der Textpräsentation, wo hingegen ich bei 3Plusss des Öfteren genauer hinhören musste. Aber auch hier relativiere ich meine Kritik mit dem Verweis auf die bereits geleerten Biere. Wo wir beim Thema wären … hoch die Flaschen!

Erstaunlich zügig verließen die Massen den Raum vor der Bühne und verteilten sich im Club. Überall sah man angeregt Leute sich unterhalten und beim genauen Beobachten fiel einem der ein oder andere spezielle Gast ins Auge. Unser Weg führte uns Dank einer meiner Begleiter kommunikativen Offensive zu Marvin Game, mit dem wir ein paar Worte wechselten und Fotos schossen bevor er uns Flyer für seine bevorstehende Releaseparty zu MJMG (03. Mai 2014 im Cookies Club, Berlin) in die Hand drückte. Der Nächste Live-Gig schien damit festzustehen. Nicht weit entfernt kamen wir mit Mortis ins Gespräch, der sich nicht nur als sehr sympathisch sondern auch als trinkfest bewies – 1 Wodka mit milder Lauwärme auf den Abend – Zum Wohl! Doch was wäre es für ein ernüchterndes Ende des Abends wenn man nicht noch wenigstens einen der beiden Haupt-Acts zu Gesicht bekäme. Sorgenkind wurde kurzerhand von uns überfallen und bestätigte eine warmherzige Atmosphäre, die sich nach dem Konzert noch in jeder Ecke des Clubs breit machte.

Breit machte sich dann auch der von uns bereits ins Herz geschlossene Türsteher, der entgegen der allgemeinen Stimmung etwas hektisch und verbal grobschlächtig durch die Menge tobte und alle ohne “Darf-Schein” freundlichst bat, den Club zu verlassen. Mehr als ein gelassenes Lächeln hatte wohl keiner der Anwesenden für ihn übrig und so führten auch wir unsere Gespräche noch eine Weile fort bis wir uns erbarmten und dem fleißigen Mann seinen Triumph ließen.

Aber auch vor der Tür entwickelte sich ein munteres Treiben und die Planung für den weiteren Abend wurde heiß diskutiert. Karate Andi und Gustav waren plötzlich unter uns und Gustav kündigte nicht nur das neue Album vom Boss vom Hinterhof an sondern auch ein eigenes musikalisches Machwerk.

Mit diesen und vielen anderen positiven Erkenntnissen des Abends machten wir uns auf den Heimweg, mein Kopf sagte mir, dass es Zeit war. Schnell noch den nach jedem Bi Nuu-Besuch fast schon zur Pflicht gewordenen Döner vertilgt und Richtung Warschauer gelaufen. Nachdem ich eigentlich keinerlei konkrete Erwartungen für den Abend hatte, war es Alles in allem ein durchweg positiver Abend mit wunderbaren Live-Acts, vielen neuen Pflicht-Terminen und einer Menge angenehmer, wenn auch flüchtiger Bekanntschaften.

Ein Bericht von Silence

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